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Ausgabe Februar/März 2005


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Der Schwarze Mann als Angstmacher

 

Schornsteinfeger suggerieren, sie sollten abgeschafft werden. Es geht aber um die Abschaffung ihres Monopols

 

Jeder kämpft um seinen Arbeitsplatz. Das ist verständlich und heutzutage sehr legitim. Wenn es brenzlig wird mit dem Erhalt seines Arbeitsplatzes, greift man auch schon mal zu ungewöhnlichen Mitteln, um seine Existenz zu sichern. Das ist auch einem Schornsteinfeger zuzubilligen. Doch bitte mit ehrlichen Mitteln!
Der Bezirksschornsteinfegermeister des Kehrbezirkes 1107 in 10365 Berlin, Herr Hartmut I., verteilt während seiner "überprüfungen" an die aufgesuchten Wohnungsinhaber einen Bürgerbrief, den sie als ihre Meinungsäußerung an die Regierung schicken sollen. Fegermeister I. suggeriert hier seinen "Kunden", das Schornsteinfegerhandwerk solle abgeschafft werden. Tatsache ist aber, das Schornsteinfegerwesen in Deutschland soll den in der EU geltenden Regeln angepaßt werden, und dazu paßt nicht mehr das System eines staatlich gesicherten Kehrmonopols, bei dem man sein Unternehmen durch staatliche Regulierung auf Kosten der Bürger gesichert bekommt, wie das bisher der Fall ist. Abzuschaffen sind auch die finanziellen Doppelbelastungen der Bürger durch die im Bereich moderner Heiztechnik unnötigen Tätigkeiten der Schornsteinfeger. Moderne Heiztechnik ist sicher. Elektronisch gesteuerte Anlagen schalten sogar automatisch ab, falls doch mal in den Abgasschacht jener Vogel fallen sollte, mit dem die Innung der Schornsteinfeger häufig argumentiert, um ihre Berechtigung bestimmter Tätigkeiten zu begründen.
Anstatt Geld, staatlich angeordnet, an Schornsteinfeger für nicht mehr zeitgemäße und überflüssige Tätigkeiten zahlen zu müssen, sollte sich jeder für etwa das gleiche Geld einen Fachbetrieb des Installationshandwerks nach eigener Wahl leisten dürfen, um regelmäßige überprüfungs- und Wartungsarbeiten durchführen zulassen, damit die Anlagen effektiv und kostengünstig arbeiten. So würde auch gesichert, daß die im Bundesimmissionsschutzgesetz geforderten Abgaswerte eingehalten werden.
Warum also soll der Bürger eigentlich dafür sein, daß alles beim Alten bleibt, "der Schornsteinfeger seine Aufgaben behält und diese weiterhin wettbewerbslos und neutral durchführt"? Warum soll sich der Bürger durch die überprüfung seiner Heizungsanlage durch den Schornsteinfeger sicherer fühlen? Warum soll der Bürger Prüf- und Reinigungsarbeiten ohne Gewährleistung vom Schornsteinfeger durchführen lassen, wenn er doch die komplette Wartung mit Handwerkergarantie für das gleiche Geld von einem Betrieb des Fachhandwerks seiner Wahl erhalten kann? Warum soll denn die freie Wahl eines eingetragenen Fachbetriebes für den Bürger schlecht sein? Hat der Herr Schornsteinfegermeister I. wirklich noch nichts von "Marktwirtschaft" gehört? Tatsache ist, daß die Schornsteinfeger ihre Pfründe leicht verdienten Bürgergeldes schwinden sehen. Anstatt sich aber durch weitgreifende Qualifizierung und Umstrukturierung ihrer Betriebe den neuen Aufgaben und Anforderungen des europäischen Marktes zu stellen und als wirkliche Handwerksbetriebe in den Wettbewerb einzuordnen, verfallen sie offensichtlich in verzweifelten Aktionismus zum Erhalt des alten Zopfes.
Schornsteinfeger! Nehmt den Mut zusammen, stellt Euch den neuen Anforderungen des europäischen Marktes. Bringt Eure spezifischen Erfahrungen ein, dann findet Ihr auch Euren Platz im wettbewerbsorientierten Markt. Das klassische Gebiet der Essenkehrer bleibt Euch sowieso erhalten. Das kann und will Euch keiner nehmen. Und gerade darauf gründet doch Eurer Berufsstolz.

 

Hans-Günter Burghardt
Fachgruppe Kommunale Gebühren
und Abgaben